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Während des Schreibens dieser Zeilen, dem Aussuchen der Fotos und dem Stöbern in alten Zeitungen und Programmen kommen immer neue Gedanken und Erinnerungen. Erst nebelhaft und verschwommen, aber dann immer klarer werdend und oft scheint es dann, es wäre erst gestern gewesen.

Wenn ich die Augen schließe und an den Sachsenring denke, sehe ich den im Morgentau glitzernden Grasstreifen neben der Abfahrt vom Heiteren Blick, ich vermeine den Knall zu hören, mit dem bei 230 die hintere Achsstrebe brach und fühle wieder die tödliche Ruhe, die mich erfasst hatte, als mein Auto schlagartig rückwärts über das nasse Gras rutschte und ich dachte: Gleich kommt der Wald, es tut sehr weh und dann ist alles vorbei! Zum meinem Glück, nach schier unendlich erscheinender Zeit, kam das Auto zum Stehen. Ich war über 100m rückwärts gerutscht, immer parallel zur Fahrbahn auf dem linken schmalen Streifen Gras zwischen Fahrbahn und Wald; wie herrlich schmeckte die Zigarette, die mir ein Streckenposten gab. Nicht alle hatten solches Glück, zwei Jahre später verunglückte fast an gleicher Stelle der Sportfreund Tatarcik tödlich.

Ich erinnere mich auch an ein Frühstück 1977 im Fahrerlager von Frohburg, ich saß mit Matthias Schäfer zusammen am Tisch, wir wahren guter Dinge und freuten uns auf die Rennen, zwei Stunden später verunfallte er tödlich vor meinen Augen!

Viel öfter denke ich aber an die Hochstimmung, die mich schon Tage vor einem Rennen befiel, an die Gespräche im Fahrerlager, an die rundenlangen Kämpfe mit "Manne" Kuhn, mit H.J. Vogel, mit Jürgen Meisner, mit Gerhard Friedrich und all den anderen, die gleich mir nicht unbedingt zu den ganz Großen zählten, die aber genau so verbissen um einen guten Mittelfeldplatz zu kämpften wussten wie die vorderen um den Sieg. Ich erinnere mich gern an Frieder Kramer, der beim Bergrennen nach der Zieldurchfahrt oft bei mir eine F6 schnurrte , an ein Rennen 1984 in Ostrava, zu dem die Österreicher nicht kamen, weil gerade der Atomunfall in Tschernobyl war, an ein Rennen am Heuberg, bei dem es so regnete, das ich keinen trockenen Faden mehr am Leibe hatte und am Abend dann im Schlafanzug nach Hause fuhr, nicht ohne in diesem Aufzug in einer Kneipe Rast gemacht zu haben.

Ich denke an das Glücksgefühl, das ich hatte, wenn ich einen guten Platz belegte, ich sehe die zig-tausende Zuschauer, die in der Auslaufrunde auch noch dem Letzten zujubelten und ich fühle den Ärger, wenn in guter Position im Rennen die Technik versagte oder ein Funktionär mich nicht mit zum Pokalrennen starten ließ. Ich sehe den Wagen von Heiner Lindner in Schleiz kurz nach dem Start hochkant vor mir über die Strecke fliegen und ich sehe das brennende Benzin in meinem Auto bei einem Training am Sachsenring, weil ein Messingstutzen aus dem Vergaser flog. Ich höre die Motoren aufheulen kurz vor dem Ampelgrün und ich höre die Siegeshymne, die leider für mich viel zu selten gespielt wurde.

So viele Erinnerungen, man könnte ein Buch schreiben, doch wer würde es schon lesen.

Heute, in einer Zeit, wo oft der 2. schon als Verlierer gilt, sollten wir uns die Erinnerung an unsere Zeit bewahren. Statistiken sind nachzulesen, aber Gefühle und Stimmungen finden sich in keinem Archiv. Deshalb von mir der Versuch an dieser Stelle, einige Erinnerungen zu formulieren, Erinnerungen, wie sie in ähnlicher Form wohl viele ehemalige Fahrer der DDR haben könnten.

Wir sollten diese Zeit in der Erinnerung aber auch nicht idealisieren, es war keine heile Welt, es gab genügend Probleme, es gab Unfairness, es gab gepanschtes Benzin, es gab keine Reifen, es gab Geschäftemacher, es gab Ungerechtigkeiten und Zoff mit Funktionären und es gab manchmal tolle Fernsehübertragungen, es gab wenig Ersatzteile und es gab gute Beziehungen, es gab Fahrer, die im Ziel vor Wut auf das Auto des Gegners sprangen und hinterher wieder Freunde waren und es gab Gewinner und Verlierer, es gab manchmal Trauer, aber viel mehr Spaß und Freude und vor allem gab es viele, viele tolle Rennen. Natürlich wurde auch betrogen, schon 1976 waren zwei Spitzenfahrer wegen illegalem Benzin gesperrt und von manchen wurden Vergaserdüsenwerte gefahren, mit denen ein Ladaserienmotor das Benzin unverbrannt aus dem Auspuff gespuckt hätte. Es gab begnadete Rennfahrer, die auch zugleich ausgekochte Schlitzohren waren und es mag auch Intrigen der Fahrer untereinander gegeben haben.

Natürlich gab es auch immer die STASI, die war immer dabei, vor allem, wenn das „West- fernsehen“ da war.

Wir sollten nicht spekulieren, was wie gewesen wäre, wenn…

Es ist so gewesen, wie es war und es ist müßig darüber nachzudenken, wie sich der Rennsport im Osten unter anderen Bedingungen entwickelt hätte. Es gab in der DDR einige begnadete Rennfahrer, die vielleicht auch das Talent zum Weltmeister hatten, aber es ist fraglich, ob sie in einer Gesellschaft, wo nur das Geld Maß aller Dinge ist, je diese Chance bekommen hätten.

Jeder muss für sich entscheiden, wie er diese Jahre in sein Leben einordnet. Für mich jedenfalls waren es die schönsten Jahre meines Lebens!

Für uns alle, denke ich, war es eine große Zeit, auch wenn sie in der Geschichte des deutschen Motorsports nur eine kleine Fußnote zu werden droht.

Voller Stolz kann ich sagen, ich bin dabei gewesen, nicht mehr, aber auch nicht weniger!

 

Volker Worm

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